„Du brauchst eine Garage“, dachte ich mir. Früher Jakobsweg lichtscheuer Pioniere einer New Economy, heute entweder Marketing-Gag oder Abschreibungsobjekt für den ersten Businessplan, ist die Autounterstelloption als Büroersatz immer noch der einzige Garant für die Gründung eines Global Players.
Ich werde im Sommer 30 Jahre alt und blühende Landschaften sind 2007 in den Strategiepapieren der Wirtschaftsjournalisten fest eingeplant – Zeit also, das eigene Anlagevermögen zu liquidieren und sich neuen Herausforderungen zu stellen, die da wären: Garage mieten und beziehen.
Als Finanzprofi habe ich vor Jahren mein Geld zukunftssicher angelegt und ein Blick in aktuelle Expertenforen gibt mir Recht:
Schifffahrtsaktien,
Internet Wertpapiere und
Sparbuch - mein Triumvirat des Anlagemixes - sollte für einen gemütlichen PKW-Unterstand mit Whirlpool reichen.
Der Frau von einer deutschen Bank – nicht nur für Fondsmanagement sondern auch Immobilengeschäfte zuständig – erzähle ich von meinen Plänen und offerierte, das Parkhaus am Hamburger Jungfernstieg zu übernehmen und ihr den Papierkram inklusive des Restvermögens zu überlassen. Nach einem Blick in ihren Computer machte mir die Dame ein Gegenangebot: Da die Kosten für eine Auflösung den nominellen Wert meines Portfolios, gefüllt mit Intershop.com und Vulkan-Werft Aktien, übersteigen, könne Sie leider nicht auf meinen Vorschlag eingehen.
Zudem klärte mich die gute Dame auf, dass mein einst kostenloses Girokonto automatisch gebührenpflichtig geworden sei als ich ins Berufsleben eingestiegen bin und inzwischen ein beachtliches Minus aufweise. Auf mein Gegenargument, wir Business Angel würden ohne Bezahlung arbeiten und wären somit Schülern und Studenten nicht unähnlich, reagierte sie verständnisvoll aber bestimmt mit einer guten und einer schlechten Nachricht:
Die Schlechte sei, ich könne mir meine Garage abschminken, die Gute: Ich bräuchte fortan auch keine mehr. Wegen der aufgelaufenen Verbindlichkeiten würde ich mein Auto sicher nicht mehr lange fahren können…
Ohne Stellplatz aber mit wachem Verstand checkte ich am nächsten Morgen meinen neu eingerichteten Hotmail-Account und wie ein Wink des Himmels wurde mir der Neueinstieg ins Big Business frei Haus geliefert – 47 mal mit unterschiedlichen Absendern.
Die Anfragen, mein zukünftiges Geschäftsvermögen in blaue Pillen zur Stärkung meiner Fleischpeitsche (!?) zu investieren, erteilte ich zunächst eine Absage; das Vermögen eines afrikanischen Präsidenten gegen eine geringe Gebühr nach Deutschland zu holen lehnte ich ebenso ab - so einfach wollte ich mir das Geld verdienen dann doch nicht machen.
Das Angebot, 100.000 garantiert kaufwillige Kunden aller Branchen für nur 300 Euro zu bekommen, ließ ich erst einmal offen – hatte es mich doch auf ein kleines Problem hingewiesen: Ich hatte nicht einmal die 300 Euro, kein Auto für Vor-Ort Besuche und keine Ahnung, was ich mit meinen Kunden hätte besprechen können.
Ein Blick in einen
Ratenkredit Vergleich und Schwupps das beste Angebot ausgesucht: 3,45% eff. Jahreszins für einen 3000-Euro Kredit. Ich fand das Angebot verlockend und überlegte, dem Kreditanbieter auch ein paar meiner Kunden abzugeben und zwar alle. Mein Geschäftsbrief war kurz und präzise:
„
Liebe Kreditbank, ich werde bei Ihnen mit 100.000 Personen den Kleinkredit buchen: Bitte überweisen Sie mir umgehend die 300 Millionen auf mein Konto.“
Der erste Schritt war also geschafft und einen Fehler würde ich sicher nicht wieder machen, nämlich das Geld auf meinem Konto lassen. Das wäre schneller weg als man denkt…
Die Lektüre eines
Geldanlage Newsfeeds brachte mich auf eine Idee. Eine Bank verspricht für ein
Tagesgeldkonto immerhin 4,75% Zinsen. Da ich bald ein paar Millionen Euro auf der hohen Kante haben werde, kommt mir dieses Angebot natürlich sehr gelegen, bzw. meinen Kunden:
„
Liebe Tagesgeldbank, ich werde bei Ihnen 100.000 Konten mit einem Anlagebetrag von je 3.000 Euro abschließen. Ich garantiere ihnen hiermit dass alle Konten genau 1 Jahr laufen werden. Bitte lösen Sie danach alle Konten auf und überweisen Sie anschließend 300 Mio zzgl. 3,45% an die Kreditbank und die restlichen 3,9 Mio Euro an mich zurück…“
Mit einem Ausdruck meiner Geschäftsbriefe und der Mail mit den Kundendaten rannte ich dann wieder zu der netten Dame der deutschen Bank, um mir endlich meine Garage zu kaufen, aber ich bekam schon den für mein Geschäft nötigen Dispo von 300 Euro nicht.